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Historische Hochwasser

  • Historische Hochwasserkatastrophen nach alten Berichten und Chroniken.

  • Auszüge aus den Quellentexten zur Witterungsgeschichte von Weikinn.

  • Auszüge aus Urkunden und Berichten von Bürgern aus Winterhausen.

  • Detaillierte Informationen finden Sie in den von unserem Verein veröffentlichten Publikationen.


  • Vorbemerkungen:
    Seltene Regenereignisse kombiniert mit Eisstoß oder Schneeschmelze führen seit vielen hundert Jahren immer wieder zu Hochwassern, die den Menschen außergewöhnlich vorkommen. Ab etwa 1000 n.Chr. berichten Hochwassermarken und alte Chroniken von großen Hochwassern und deren Auswirkungen. Bei uns im Ort sind einige Marken an der Mühle und an verschiedenen Gebäuden angebracht. Bis 1871 sind die Wasserstände in bayerischen Schuh bzw. Fuß (ca. 30 cm) oder Ellen (ca. 47 cm) überliefert. Heute werden sie in Zentimeter über einem festgelegten Pegelnullpunkt angegeben. Von den großen Hochwassern sind Berichte vorhanden, in denen der Hochwasserablauf, die Eisverhältnisse und die Schäden geschildert werden.


  • 1179 Main
    Bamberg: " ... war die Strenge des Winters und die Menge des Schnees außerordentlich, so dass die Überschwemmungen der Flüsse die Saatfelder fast alle vernichteten."
  • 1206 Main
    "Eine sehr große Überschwemmung der Gewässer,..., so dass der Main sich auf 32 Ellen Höhe erhob und mehrere 1000 Männer, Frauen und Kinder ertränkte,..."
  • 1306 Main
    Würzburg, Frankfurt: Große Hochwasser an Rhein, Main, Werra, Weser, Saale. Steinerne Brücke in Würzburg beschädigt. "... ist der Meyn zu Franckfurt von eiß und gewäßer so gros gewesen, daß er die zwen thürn und den mehrern theil an der brücken hat hinweg gestosen und ist damaln ein groß volk von mannen und frawen bei 500 menschen auf der brükken gestanden, davon sind 10 umbkommen."
  • 1342 Main
    "...In diesem Sommer war eine so große Überschwemmung der Gewässer durch den ganzen Erdkreis unserer Zone, die nicht durch Regengüsse entstand, sondern es schien, als ob das Wasser von überall her hervorsprudelte, sogar aus den Gipfeln der Berge..." Main : "... trugen Türme, sehr feste Stadtmauern, Brücken, Häuser... und die Bollwerke der Städte davon. ... und die Schleusen des Himmels waren offen, und es fiel Regen auf die Erde wie im 600. Jahre von Noahs Leben..." . "... ereignete es sich in Würzburg, daß dort der Main mit Gewalt die Brücke zertrümmerte und viele Menschen zwang, ihre Behausungen zu verlassen."
    Am St. Magdalenentag des Jahres 1342 - das entspricht dem 21. Juli nach unserer Zeitrechnung - wurde Mitteleuropa vom vermutlich größten Hochwasser dieses Jahrtausends heimgesucht. Nach längerer Trockenheit folgte ein "zwei Tage anhaltender außerordentlicher Wolkenbruch". Damals stand das Wasser des Mains in Würzburg bis nahe an den Dom. Aus der Rheinregion wird berichtet, dass im Mainzer Dom "das Wasser einem Mann bis zum Gürtel stand" und man in Köln mit Booten über die Stadtmauer fahren konnte. In den Chroniken von Regensburg, Passau und Wien wird das Magdalenenhochwasser als katastrophales Donauhochwasser beschrieben; ebenso an Mosel, Moldau, Elbe, Werra, Unstrut und Weser. Selbst Kärnten und die Lombardei wurden vom Hochwasser heimgesucht.
  • 1413 Main
    "Item ze Wirczpurg (Würzburg) kom daz wasser in der nacht, do die lewt slieffent; do war der Men (=Main) alz groz, daz all keler vol wurden,... et tet daz wasser grossen schaden über all... item ez gedacht kein mensch in 40 oder in 50 iaren keine grössern wasser... Pegnitz, Nürnberg: ... do ward ze Nürenperg die Begicz alz groz, daz daz wasser gieng gen unsser frawen auffher,..."
  • 1451 Main
    Bamberg: "... infolge der vorangegangenen anhaltenden Regengüsse eine so große Überschwemmung, die zugleich mit dem Eisgang unschätzbaren Schaden an den Brücken und Mühlen anrichtete." Nürnberg: " ... wuchs die Pegnitz in eim halben tag vom Riter bis an Schoppers haus... Das wasser raiß all prucken und alle steg hin,... das wasser gefil in zweien tagen,..."
  • 1546 Main
    Würzburg: " ...fing der Main an zu steigen und stieg so hoch, daß er bis an das Schodershaus auf dem Markte ging; diese Überschwemmung that allenthalben villen Schaden."
  • 1551 Main
    Würzburg, Kitzingen, Ochsenfurt, Schweinfurt: "... ist zu Wirtzburg und daselbst umher ein sehr grosser Regen mit Donner und Blitz eingefallen, daß der Mayn zusehens gewachsen, kleine Bäch dermasen angeloffen, als wann es grosse Ströhm wären, dadurch an Aeckern und Wiesen, Weingärten, Gebäuden und anderen grosser Schad geschehen."
  • 1558 Main
    Schweinfurt: "... ist ein erschrecklicher Eisbruch, welcher am Judenanger Spiß hoch uf einander geschoben, gestanden, und, als ehe das Eisz abgangen, 14 Tage in einander stecken blieben."
  • 1561 Main
    Schweinfurt: " ... ist das Eis im Main mit groszer Gewalt gangen und an der euseren Brücke 4 Joch in der Mitte sauber hinweg genommen, welches Eis 15 Zoll dick gewesen. ist das oberländisch Eis gangen und gedachter Brücke noch 2 Joch hinweg genommen,..."
  • 1595 Main
    Pegnitz: "Da war die Pegnitz überfroren, /... Und ist das Eiß gangen von der statt,/... Und ist die Brucken da mit Knallen / Mit etlich Leuten eingefallen etc. Es traf die Stadt das Unglück einer dreimaligen Überschwemmung, die vom grossen Schnee, dem schnellen Aufthauen, anhaltenden Regen, in den letzten Tagen des Februars erfolgte... Dieselbe Messingtafel..., die 6 Schuh vom Erdboden hoch angemacht war, wurde von der Flut um 1 Elle übertroffen..." Main, Schweinfurt, Kitzingen u.a.: Hochwasser durch Schneeschmelze außerordentlich angewachsen. Großer Schaden, da mehrere Brücken fortgerissen wurden. Es ertranken Menschen und Tiere.
  • 1658 Main
    Schweinfurt: Das Maineis brach und riss 2 Brückenjoche ab.
  • 1682 Main
    Frankfurt: "Die Mainbrücken hat im Wasser gestanden, daß kein Bogen, sondern nur als ein Mauer gesehen worden ist, ... Es nimmt das Wasser so schnell ab / als es anfänglich gewachsen." Ochsenfurt: Bei hohem Wasserstande und durch den Eisgang werden die beiden äußeren Pfeiler der Brücke ruiniert.
  • 1709 Main
    Würzburg, Kitzingen, Ochsenfurt: "Es liesse die Kälte wieder nach, folgete ein Regen-Wetter bey 4. Täg, wobey der Mayn aufgangen, und sich also ergossen,... Was das Wasser für Schaden... gethan habe,... ist nicht zu beschreiben."
  • 1732 Main
    Regnitz: "Außerordentliche Wasserfluthen, als Folgen eines stark anhaltenden Regens, haben die in der Mitte liegenden Provinzen Deutschlands betroffen,... haubtsächlich im Fränkischen Kreise, in dessen Theile gegen Morgen in der Oberpfalz so wol, als noch mehr gegen Abend im Würzburgischen und Wertheimischen, unaussprechlichen Schaden gethan. Auch die Stadt Nürnberg litte sehr, doch nicht so viel als die Stadt Schwabach."
  • 1763 Main
    Eine der größten Hochwasserkatastrophen für Winterhausen war am letzten Tag das Jahres 1763. Hierüber berichtet der Winterhäuser Bürger und Bäckermeister Johann Bernhard Seubert, der im Hause des Bäckereibesitzers Kanzler wohnte, auf den ersten Blättern einer Bibel: "Nach vielen Regenwettern ist das Wasser hoch angewachsen, sodass es zum Maintor über die gemachte Schanze hereingelaufen und endlich dieselbe ganz abgerissen und durchfressen hat. Es ist gegangen bis oben an die Maingasse um beide Ecken herum und bis an des Bartholomäus Beck's Haus. Alle Keller waren vom Wasser angefüllt und auch alle vollen Fässer waren mit den Lagern geschwommen oder herunter gestürzt. Dies brachte viel Schaden. Dem äußeren Becken (Bäcker) Johann Georg Hetzel ist es in den Backofen gegangen und auch dem unteren Becken in der mittleren Gasse Johann Balthasar Schott. Im äußersten Flecken hat es dem Adam Hester ein Faß Wein aus dem Haus geführt und ist solches unten am Brombergboden unverletzt mit dem Wein wieder gefunden worden. Die Weichselbäume in den Sandäckern oder der Werth sind meistenteils umgerissen worden, die Pfählhaufen in den Weingärten mit fortgenommen. Es war ein erbärmliches Neujahr, es wurden vor Angst und vor Not wenig Neujahrswünsche gesprochen, kein kirchlicher Gottesdienst wurde auch gehalten, sondern ist verspart worden bis Epiphania".
  • 1784 Main
    Das Hochwasser von 1784 im Maintal kann wie auch in anderen Flussgebieten Mitteleuropas als eines der größten Hochwasser in historischer Zeit angesehen werden. Die außergewöhnliche Höhe der Flutwelle war auf die Regenfälle, die Schmelzwassermengen und auf Eisstau zurückzuführen. Auch für Winterhausen war es eines der größten bei dem es im übrigen auch Todesopfer zu beklagen gab. Darüber berichtet eine Chronik und eine Privaturkunde recht eindringlich: Der Winter 1783/84 war überaus kalt, auch hatte es viel geschneit. Am 20. Februar fing es an zu tauen, so dass man hoffte, es möchte mit dem vielen Schnee und Eis gnädig abgehen. Aber am Donnerstag, den 26. Februar, regnete es ununterbrochen. Am Samstag, den 28. Februar zeitig in der Frühe, wurde der Schiffwirt Simon Binder von dem Fährmann Peter Pfeufer (genannt Fisch Peter) aus dem Schlafe geweckt mit dem Schreckensrufe : "Simon steh auf, Wasser und Eis kommt mannshoch". Das Wasser wuchs so schnell, dass kaum das nötigste Hausgerät aus dem Erdgeschoss in den oberen Stock geflüchtet werden konnt, und der Schiffwirt mit seiner Familie, den Fährer und 2 Offizieren, einen preußischen und österreichischen, welche sich als Werber bei ihnen einlogiert hatten, wo aller menschlichen Hülfe abgeschnitten war. Das Wasser drang durch den Fußboden in den 2ten Stock und das Schiffchen am Wirtsschild hing bereits ins Wasser. Mit Hilfe des Fährers wurde die Fahrbrücke herbeigezogen. Sie trugen alle Wertsachen hinein und waren dabei diese treiben zu lassen, da jeden Augenblick das Eis und die schwimmenden Stämme die Wände eindrücken und das Haus zum Einsturz bringen konnten. Da trieben 12 Wohnhäuser, welche auf dem Platz ober der Mühle standen, eins ums andere am Wirtshaus vorüber. Aus einem Hause ertönte mehrmals der entsetzliche Ruf "Simon hilf Uns!" Dieser rief: "Wer seid Ihr denn?"-"Ich bin des Müllers Michl (Michael Wolf) und meine Frau!" Der Simon antwortete: "Helft Euch Gott, ich kann Euch nicht helfen". Das Haus mit seinem Insassen trieb bis an den Bromberg, wo viele Leute von Rottenbauer standen um das große Wasser zu sehen und Holz aufzufangen. Sie hörten die Hilferufe und als das Häuschen herangetrieben am Berg, machten sie Anstalten zur Rettung. Über dem Rettungsversuch ging das Haus in Trümmer. Die Frau verschwand mit dem Haus, der Mann wurde gerettet. Nebenbei sei bemerkt, dass beide Leute sich hätten retten können bevor das Haus weggespült wurde, aber sie mochten sich nicht von ihren Hühnern trennen.Michael Wolf selbst hat sich später wieder verheiratet, mit einer gewissen Ursula Herold, und noch lange gelebt. Die Namen derer, denen die Häuser gehört haben, sind: Friedrich Hebenstreit, Adam Lorenz, Fischer Witwe Höchstädter, Hans Nappert, Wolfgang Spankuch, Jörg Trunk, Ulrich Debert, Witwe Seynitz, Christoph Seyboth, Erhard Brand und Michael Wolf. Ein Bruder des Schiffwirts, Wolfgang Binder, der, Besitzer des Goldenen Löwen (Jetzt Brauhaus), war in seinem Haus allein zurückgeblieben, während seine Familie sich ins Dorf gerettet hatte. Als die Holländer- stämme an seinem Hause die unteren Wände teilweise eingestoßen hatten und das Haus nur noch auf einem Pfeiler stand, wurde er wahnsinnig, doch stürzte das Haus nicht ein und so blieb er am Leben, hatte aber keine gute Stunde mehr und lebte nicht mehr lange. Eine Frau musste mit ihrem Kind einen Tag und eine Nacht auf einem Nussbaum zubringen bis sie gerettet werden konnte. Endlich, am Sonntag früh 2 Uhr (29. Februar), fing das Wasser ein wenig zu fallen an. Ertrunken sind ausser der Frau Wolf noch drei weitere Personen, deren Namen jedoch nicht genannt sind.
    Geschehen zu Winterhausen im Februar 1784.
    von Johann Gräßler
    (Abschrift von einer Urkunde)
  • 1845 Main
    Im Pfarrbuch für das Jahr 1845 berichtet Gustav Friedrich Prechtlein Pfarrer in Winterhausen, über ein Hochwasser folgendermaßen: "Im Frühjahr 1845 erreicht zufolge langanhaltenden Winters mit viel Schnee, nach schnell wirkenden Tauwetter welches erst mit dem Osterfeste eintrat der Main nach dem Eisbruch eine solche Höhe, dass er am 29. März nachts den Damm dahier überflutete und an schwachen Stellen durchbrach, so dass plötzlich der innere Marktflecken stark unter Wasser gesetzt wurde. Die Bewohner hatten es schon Ostermittags befürchtet und daher die unteren Räume der Wohnungen und die Ställe geräumt. Daher drängte sich auch alles in den hochgelegenen Wohnungen so zusammen, dass in der Pfarrscheune an die 30 Stück Vieh eingestellt waren. Diese Nacht und der Sonntag darauf waren so unruhig, dass an ihm kein Gottesdienst gehalten werden konnte. Doch ging es ohne erheblichen Schaden noch ziemlich glücklich ab."
    Nachsatz:
    Von den drei ertrunkenen Personen, die im Bericht des Johann Gräßler namentlich nicht benannt sind, werden in einem anderen Bericht zwei namentlich erwähnt: "In den zwei Häusern neben dem äußeren Brunnen, nämlich des Ulrich Deberts zweite Ehefrau und Johann Georg Segnitz Witwe, diese zwei Weiber sind mit den Häusern fortgeführt worden. Die erstere hat man wieder auf unseren Sandäckern gefunden und hier begraben, von der letzteren aber wurde nichts mehr inne." Weiter berichtet uns der Verfasser: "Dem Johann Nappert hat es sein Haus ganz, samt den darinliegenden Hausgerät in Heidingsfeld oder Würzburg auf dem flachen Lande stehen lassen. Der Barthel-Lorenz Witwe ihre Kate hat es vor dem Burkarder Tor in Würzburg stehen lassen...... In Ochsenfurt hat es die steinerne Brücke über dem Main abgerissen und den darauf stehenden Turm ins Wasser gestürzt. In Marktbreit hat es das Lagerhaus halber abgerissen und den mit Quadersteinen aufgebauten Kranen fortgeschwemmt ..... Behälter, Truhen und Schrein zeug nebst Kleider.und anderen entschwommenen Waren haben unsere hiesig verunglückten Leute in Eibelstadt, Randersacker, Heidingsfeld und Würzburg und auch noch darunter was noch da war und dort liegengeblieben wieder zum Teil eingeholt.."
    Auch unsere Mainmühle wird in diesem Bericht erwähnt: "Unser Mühlhaus, so noch ganz neu an der Mühle angebaut gewesen nebst Waaghaus,sogleich gegenübergestanden, hatte es vom Stumpf fortgeschwemmt."